Wir sind ständig auf der Suche nach Glück und Anerkennung. Wir suchen jemanden, von dem wir glauben, dass er uns mag, vielleicht sogar liebt. Schließlich finden wir jemanden, der uns so sieht, wie wir uns selbst sehen möchten – mit all unseren Stärken und Schwächen, unseren Hoffnungen und Ängsten. Auch wir erkennen ihn in dem Licht, in dem er sich selbst sieht. Diese gegenseitige Bestätigung lässt uns zu einer perfekten Einheit verschmelzen, einer „Dualunion“, wie wir sie uns erträumt haben.
Doch irgendwann, wenn die anfängliche Euphorie verblasst, beginnt die Unruhe in uns zu wachsen. Wir fragen uns, ob der Partner wirklich so ist, wie wir ihn sehen. Durch das Hinterfragen schärfen wir unseren Blick, und in der neu gewonnenen Klarheit entdecken wir Widersprüche, die wir zuvor ignoriert haben – oder vielleicht gar nicht sehen wollten. Diese Erkenntnisse erzeugen in uns Zweifel, Enttäuschung, manchmal auch Resignation und Frustration. Anstatt Lösungen zu finden, werden die Konflikte intensiver und verdichten das Gefühl, einander zu verlieren.
Unsere perfekte Einheit beginnt zu bröckeln, wie ein Gebäude, das zu schnell und ohne festes Fundament errichtet wurde. Beide möchten nun die Beziehung selbst beenden und für sich beanspruchen, diesen Entschluss vor dem anderen gefasst zu haben. In einer Welt voller Sieger und Erfolgsgeschichten will niemand als Verlierer dastehen. Diesen Anspruch nähren wir mit den ausgeklügeltsten, scheinbar rationalsten Ausreden – je nach Bildung und Erfahrung. Doch in Wahrheit wiederholen wir oft nur das, was wir irgendwo gehört oder gelesen haben, ohne zu merken, dass es fremde Gedanken sind, die nichts mit uns zu tun haben. Dennoch machen wir sie uns zu eigen.
Und so suchen wir weiter – nach Idealen, die es in dieser Form nicht gibt. Diese Ideale entstammen oft einer künstlichen Welt, die von Medien und Schönheitsidealen geprägt ist und in der Beziehungen perfekt erscheinen, weil sie durch eine Linse betrachtet werden. Doch wir ignorieren die Realität und suchen weiter, bis wir wieder jemanden finden, in dem wir eine Projektionsfläche für unsere Wünsche sehen. Unbewusst verdrängen wir dabei die Realität, die uns jedoch irgendwann einholen wird, wenn der Schleier der Illusion fällt. Und dieser Moment kommt immer, so sicher wie das Ende jeder Illusion.
So pendeln wir von einem Partner zum nächsten, von einer Beziehung zur anderen, als sei unser Wesen austauschbar, als ließe sich der Kern unseres „Ichs“ endlos neu definieren. Doch jede gescheiterte Beziehung raubt uns ein weiteres Stück Selbstvertrauen, schwächt unser Selbstwertgefühl und verstärkt die leise Angst, nicht gut genug für eine neue Verbindung zu sein. Diese Spirale bohrt sich immer tiefer in unser Inneres, eine Wunde, die nicht heilt. Es ist eine endlose Selbstzerstörung – eine Suche nach dem Unfindbaren, ein Schmerz, den wir uns selbst zufügen, ohne ihn zu verstehen.
Kategorie: Emotionen
Gewöhnung
Jede Gewöhnung verwandelt sich in Notwendigkeit. Wer ein Gift zum Denken einnimmt, wird bald ohne Gift nicht denken können.