Beziehungskrisen – reproduzierte Austauschbarkeit

Wir sind ständig auf der Suche nach Glück und Anerkennung. Wir suchen jemanden, von dem wir zu wissen glauben, dass wir von ihm gemocht und ja geliebt werden. Schließlich finden wir jemanden, der uns so sieht, wie wir uns selbst sehen. Und wir sehen ihn auch so, wie er sich sieht. Wir bestätigen uns gegenseitig und werden zu einer perfekten Dualunion.

Irgendwann fragen wir uns aber, ob der Partner so ist, wie wir ihn sehen. Durch unser Hinterfragen schärfen wir unseren Blick und entdecken in unserem Partner plötzlich Widersprüche, die wir in unserer Ungeduld haben nicht sehen können. Das erzeugt in uns Zweifeln, Enttäuschungen, Resignation und Frustration. Konflikte verstärken all das, anstatt die Problemlagen zu entschärfen.  Unsere Dualunion zerbricht langsam.

Jeder von uns will aber die Beziehung von sich aus beendet haben und beansprucht es für sich, diesen Entschluss noch vor dem anderen gefasst zu haben. Denn wer will heute schon als Besiegter das Feld verlassen, wenn wir von lauter Siegern umgeben sind?

Daraus resultieren die intellektuellsten, ausgeklungensten und rationalsten Ausreden auf beiden Seiten, je nach dem wie gebildet wir sind. Im Grunde behaupten wir von uns etwas, was bereits einst gesagt wurde. Was wir mal gehört oder gelesen haben. Davon wissen wir heute nichts mehr, dass es fremde und keine unsrigen Gedanken sind. Aber wir deponieren es für uns.

So suchen wir weiter nach Idealen, die es in der Form nicht gibt. Diese Ideale entstammen aus einer künstlichen Welt, meist aus einer Medienwelt, die es auch so nicht gibt. Aber das stört uns wenig, denn wir suchen weiter und wir werden auch irgendwann fündig. Dabei blenden wir die Realität unbewusst aus.

Die Realität wird uns aber früher oder später nachholen, spätestens wenn der Schleier der Scheinwelt weg fällt. Und das geschieht bestimmt. Und so pendeln wir mal zu dem einen mal zu dem anderen Partner oder doch Freund, als ob unser Körper, unser Sosein, etwas Austauschbares wäre. Jede gescheiterte Beziehung aber raubt uns ein Stück an Selbstvertrauen sowie Selbstwertgefühl und verstärkt das Gefühl, nicht gut genug für eine neue Beziehung zu sein. Es ist eine Spirale, die sich in uns bohrt, die uns immer tiefer verletzt. Eine Selbstverstümmelung ohne Ende.

 

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