
Es ist ihm wieder passiert. Seine Gedanken kreisen voller Wärme um eine Frau, die er vor einigen Jahren kennengelernt hatte. Ein Mensch wie sie war ihm bis dahin noch nie begegnet. Mit ihrer bloßen Anwesenheit öffnete sie seine bis dahin ausgeglichene, stabile Gefühlswelt, drang tief in ihn ein und brachte eine Seite in ihm zum Vorschein, die er kaum kannte. Es war, als hätte die Liebe ihm neue, lebendige Farben gezeigt, die bis dahin verborgen waren.
Wie konnte das geschehen? Mit einer Mischung aus Demut und Verständnis blickt er auf sein damaliges Verhalten zurück. Er erkennt jetzt, dass er einige ihrer Signale missdeutete, und lächelt fast über die jugendliche Unsicherheit, die ihn damals begleitete. Doch wie hätte es auch anders sein können? Damals war er unerfahren, überwältigt, verloren in einer neuen Welt intensiver Gefühle, die ihn mit sich riss.
Doch was ist es, das ihn auch heute noch so stark anzieht? Was fasziniert ihn noch immer an ihr? Es sind nicht ihr Duft, ihre Figur, ihr jugendliches Strahlen oder das glänzende Schwarz ihrer Haare. Auch ihr scheuer, leicht verschwommener Blick ist es nicht, und sie gleicht keineswegs einem Model. Nein, es ist etwas ganz anderes: Es ist die besondere Art ihres Wesens, ihre sanften, doch bestimmenden Gesten, ihre natürliche Präsenz, die Intelligenz, die in jedem ihrer Worte mitschwingt.
In ihr spürt er eine Zeitlosigkeit, die ihn an die großen Künstler erinnert – eine weibliche Leonardo Da Vinci, die mit Kreativität und Vision die Welt sieht und formt. Sie fängt das Leben in seiner Tiefe ein, interpretiert es neu und drückt es in einzigartigen Kunstwerken aus. Diese Einzigartigkeit ist es, die ihn auch heute noch inspiriert und die ihn gelehrt hat, das Leben mit einem neugierigen, offenen Herzen zu betrachten.
Doch was bleibt, ist kein Gefühl der Enttäuschung oder des Bedauerns. Auch die Angst, nie wieder eine solche Frau wie sie zu finden, hält ihn nicht zurück. Was ihn erfüllt, ist das tiefe, existenzielle Gefühl, bedingungslos geliebt und gelebt zu haben. Solche Begegnungen sind selten und wertvoll, sie hinterlassen Spuren, die nie verblassen, und machen das Leben so viel reicher.
Er empfindet keine Wut oder Unzufriedenheit, sondern eine sanfte Dankbarkeit für das Erlebte. Er hofft, dass das Leben ihm noch einmal eine solche Begegnung schenken wird – doch jetzt weiß er, dass er auch die nötige Erfahrung und den Mut hat, eine unglückliche Geschichte in eine glückliche zu verwandeln. Diese Gewissheit gibt ihm heute Kraft und Lebensfreude, denn für solche Augenblicke lohnt es sich zu leben.
Für ihn ist das Leben kein leeres Gefäß, das er mit Besitz oder Status füllen möchte. Er weiß, dass wahres Glück in Begegnungen liegt, die ihn berühren und verwandeln. Am Ende möchte er sagen können, dass er das Leben nicht nur erlebt, sondern in jedem Moment gespürt hat – bewusst, mutig und mit einem offenen Herzen für das Unbekannte.