
Es stellt sich nicht die Frage, ob wir jemals diskriminiert wurden oder werden, sondern warum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf der Erde keinen Menschen gibt, der keine Erfahrung des Diskriminiertseins gemacht hat. Frauen, Männer, Kinder, Ausländer und Inländer, Arbeiter und Akademiker – alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Ausbildung oder gesellschaftlichem Stand, erfahren irgendwann Diskriminierung.
Heute habe ich erhellend – um nicht zu sagen „kapiert“ – verstanden, warum wir gelegentlich zum Objekt der Diskriminierung werden müssen. Im Zweiten Weltkrieg haben einige Staaten, nicht nur Deutschland, andere Menschen, Menschengruppen und ganze Völker offensichtlich nicht als Menschen, sondern als Objekte (sogar per Gesetz) definiert. Denn zu Menschen haben wir eine ganz andere Beziehung als zu Objekten. Solange Menschen für uns als menschlich erscheinen, haben wir große Schwierigkeiten, sie anders zu behandeln als uns selbst.
Die Sachlage ändert sich jedoch dramatisch, wenn wir Menschen zu Objekten machen. Wir fühlen uns anders; wir sind frei von Angst, denn Objekte stellen für uns gewöhnlich keine Gefahr dar. Menschen hingegen sind immer eine potenzielle Gefahr für uns. Aus diesem Grund fühlen wir uns oft unsicher, gestresst und beobachtet. Wir sind nicht angstfrei.
Das Umbenennen und das Zuordnen anderer zu Objekten geschieht jedoch in einem langen Prozess des Heranwachsens. Wir sind nicht sofort in der Lage, andere als Objekte zu sehen. Es sind überlieferte Stereotypen, Denkgebäude, Sichtweisen und Wissensrepräsentationen, die dies ermöglichen. Auch ein gewöhnlicher und notwendiger Prozess der Verwaltung verwandelt uns in Objekte. Daher fällt es Bürokraten und Politikern leicht, uns als Objekte zu betrachten, nicht als gleichwertige Menschen, und uns entsprechend zu behandeln.
All dies geschieht auf ganz natürliche Weise, ohne ein schlechtes Gewissen, da es durch entsprechende Gesetze legitimiert wird. Aber warum hat die Angst vor Objektivierung in letzter Zeit so massiv zugenommen, dass wir uns absondern, zurückziehen oder den natürlichen Kontakt zu anderen Menschen scheuen? Dabei versuchen wir, diese (vergessene) Angst in uns zu unterdrücken bzw. zu verdrängen. Diese Angst ist jedoch ein Teil unserer Existenz, unseres Daseins, denn sie bezieht sich nur auf uns selbst.
Aus Angst können wir uns oft in wichtigen Situationen nicht entscheiden. Wir neigen dazu, es uns leichter zu machen und uns der Mehrheit anzuschließen. Denn eine große Masse von Menschen kann bei wichtigen Entscheidungen nicht falsch liegen. Um all dies wissen die Machthaber, Politiker, Ärzte und alle, die im gegenwärtigen Machtsystem integriert sind. Sie sind nicht nur ein fester Teil davon, sie halten es am Leben.
Dieser Macht können wir uns nicht so leicht entziehen, denn wir sind Teil davon. Durch unser Mitmachen und die Befolgung ihrer Strukturen erhalten wir sie am Leben. Selbst wenn wir nicht mitmachen würden, bleibt diese Art von Macht über Generationen erhalten. Manche sind sogar stolz darauf, mitzumachen, ohne zu wissen, dass sie dadurch möglicherweise ihr Leben geopfert haben. Es ist gerade das Einzige, was sie für diese Art von Macht nicht opfern sollten.
Deshalb habe ich mich gefragt, was ich tun kann, um ein wenig dieser konstruierten Macht Widerstand zu leisten, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich nur durch Lernen, Erkennen und Beobachten der Machtstrukturen etwas von dieser Macht entziehen kann. Aber es ist ein ständiger, aktiver Kampf, denn der gesellschaftliche Zwang ist enorm. Wenn ich bedenke, dass sich die meisten ohne Wenn und Aber damit (oft unbewusst) abgefunden haben, dass uns die Regierenden ihren Willen zum Gehorsam bereits geschickt aufgedrückt haben, erschrecke ich förmlich.
Es zeigt sich zunehmend, dass wir nicht nur für die „Bande von Marionetten“ bloße Nummern sind, sondern auch als menschlicher Abfall betrachtet werden. Die Lage wird interessant, wenn wir jemanden nicht zum einfachen Objekt degradieren können, denn gleichzeitig könnten wir uns selbst degradieren. Was geschieht dann? Die Stereotypen funktionieren in diesem Fall nicht.
Wir können die betroffene Person einfach mit einem negativ konnotierten Label markieren, wie es oft in der Soziologie als „Labeling“ bezeichnet wird. Zum Beispiel können wir einen unbequemen Menschen als Sozialschmarotzer bezeichnen oder, wie zuletzt in der Pandemie erfolgreich geschehen, als Verschwörer, Abweichler, Populisten oder Covid-Idioten. Wir können auch unbequeme, menschliche Störfaktoren – vor allem als Gefahr für unser Selbstwertgefühl oder Bewusstsein – mit subtilen Tricks herabsetzen. Es genügt, den Familiennamen falsch zu schreiben oder auszusprechen, etwa Frau Dać bla, bla (schon gehört?). Das kommt vor.
Ein weiteres Beispiel wäre, einen Professor einfach mit „Herr…“ anzusprechen oder anzuschreiben, indem man absichtlich den wissenschaftlichen Titel weglässt – in einem Land, in dem jeder Titel als heilig betrachtet wird. Offenbar gilt dieses Privileg nicht für jeden. Solche Methoden funktionieren gut, sehr gut sogar.
Jemanden als „Ratte“, „Unkraut“ oder ähnliches zu bezeichnen, verwandelt einen Menschen in ein Objekt, das beseitigt werden soll, wie das Unkraut. Diese Methode hat im Vernichtungsprozess der Juden oder im Wahn der Sklaverei perfekt funktioniert. So leicht können wir einen Menschen verletzen bis zerstören, ohne uns der Mechanismen bewusst zu sein, und dabei ein schlechtes Gewissen oder Gefühl zu haben, denn es ist heute überall anzutreffen.
Es gibt eine noch perfidere Methode, die als manipulativ betrachtet werden kann: einen entsprechend negativen Rahmen zu konstruieren und dann in diesem so gebildeten Rahmen, etwa als ein vorausgehendes, negatives Narrativ, jemanden indirekt damit zu verbinden. Genial einfach und erfolgreich. Es ist für mich persönlich sehr interessant festzustellen, dass viele dieser Methoden in letzter Zeit in den öffentlichen Medien Anwendung finden.
So werden wir selbst zu passiven Marionetten, zu vernebelten Objekten, ähnlich jenen, die uns steuern wollen – diese wiederum selbst von im Verborgenen stehenden Machthabern und anderen unerklärlichen Kräften. All dies geschieht mit dem für uns wahrnehmbaren Unterschied, dass wir davon keinen erkennbaren Vorteil haben, im Gegensatz zu denen, die als Mittler der Machthaber in ihren Funktionen für ihre Dienste belohnt werden, mit Positionen, Boni, Preisen, Ehren und schließlich einem fürstlichen Leben über Generationen hinweg.