
Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein junger, erfolgreicher und völlig gesunder Mann ertrinkt beinahe in einer Badewanne – in einem Hotelzimmer, während eines Urlaubs.
Er wird durch glückliche Umstände gerettet. Bewusstlos zieht man ihn aus dem Wasser, und nach einer erfolgreichen Reanimation kehrt er ins Leben zurück.
Doch dieses Ereignis ändert sein Leben schlagartig. Sein Arbeitgeber kündigt ihm, und damit verliert er seinen Lebensunterhalt, seine gesamte bisherige Existenz.
Die Lage verschlimmert sich, denn während er noch im Krankenhaus liegt und um seine Rückkehr ins alte Leben kämpft, ahnt er nichts von der Kündigung. Er weiß nicht, dass der Weg zurück in ein einigermaßen funktionsfähiges Leben Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte dauern könnte.
Jetzt lebt er ganz im Hier und Jetzt, kämpft verzweifelt darum, seinen schwer angeschlagenen Gesundheitszustand so weit wie möglich zu verbessern.
Nach langer Zeit wird ihm schließlich bewusst, dass ein Leben wie früher nicht mehr möglich ist. Diese Erkenntnis trifft ihn schwer, doch er lernt schnell, sie zu akzeptieren – und beginnt, sein neues Leben als Ausgangspunkt für etwas völlig Neues anzunehmen.
Seine wiedererlangten Fähigkeiten – selbstständig zu essen, zu stehen, zu gehen, und allmählich sogar die Fähigkeit, mühsam, aber verständlich, einige Sätze zu sprechen – geben ihm neuen Mut. Sie halten ihn davon ab, sich aufzugeben.
Nach einiger Zeit schafft er es sogar, eigenständig Treppen hinauf- und hinunterzusteigen. Seine grenzenlose Motivation, Zuversicht und der Wunsch, anderen zu helfen, die sich in einem ähnlich aussichtslosen Zustand befinden, nähren seinen Glauben daran, dass auch er eines Tages aus diesem hoffnungslosen Zustand herausfinden wird.
Doch der Weg ist noch lang, wenn auch bereits greifbarer als noch vor einigen Jahren.
Manche seiner Bekannten sprechen von Schicksal, andere wiederum von Selbstverschulden, und einige sehen darin sogar eine Strafe Gottes.
Doch wie immer man dieses Unglück auch nennen mag, entscheidend ist, was der Mensch daraus macht. Er kann sich mit dem Ist-Zustand abfinden und den Rest seines Lebens in einer Opferrolle verharren.
Entweder werden die scheinbar zufällig veränderten, unglaublichen Umstände für sein Unglück verantwortlich gemacht, oder aber der Betroffene akzeptiert den Ist-Zustand, beschuldigt niemanden und versucht, aus seinem angeschlagenen Leben das Bestmögliche herauszuholen. Das frühere Leben muss als Geschenk des Glücks betrachtet werden.
Unser Protagonist entscheidet sich für die zweite Variante. Er spricht von einem „glücklichen“ Schicksal – von dem Schicksal, ein neues Leben, eine neue Möglichkeit bekommen zu haben, etwas völlig Neues aus seinem Dasein zu gestalten.
Er gehört zu jenen Menschen, die als Kämpfer bezeichnet werden. Schließlich hat er bereits einen unmenschlich harten, zweijährigen Militärdienst hinter sich und ein extrem schwieriges Studium gemeistert – und das in einer Fremdsprache, die ihn oft an den Rand der Verzweiflung brachte.
Die Aufgabe, als gleichberechtigtes Mitglied in einer ihm fremd gewordenen Gesellschaft zu leben, erscheint ihm trotz seiner schweren Beschwerden machbar.
Nachdem er seine Fähigkeiten im Sprechen, Denken, Bewegen und vor allem im Akzeptieren seiner selbst wiedererlangt hatte, beschloss er, zu studieren. Er sah darin die einzige Möglichkeit, sich geistig mit gesunden Menschen zu messen und seine verlorenen Fähigkeiten auf ein höheres Niveau zu heben.
All die Sprachkurse, die ihm geholfen hatten, seine Ausdrucksweise und sein Gedächtnis zu verbessern, waren nur der Anfang, ein Zwischenziel auf dem Weg zum Studium.
Natürlich sorgten sich viele Bekannte und Familienangehörige um ihn. Immerhin bestand die Gefahr, dass er geistig und mental wie ein Computer abstürzt und statt gesünder einen bleibenden Schaden erleidet.
Trotz dieser Bedenken besuchte er einen zweijährigen Lehrgang an einer Universität, den er mit Auszeichnung abschloss. Anschließend meldete er sich für ein Studium an, das diametral zu seiner technischen Ausbildung stand. Er entschied sich für eine geisteswissenschaftliche Richtung.
Die völlig neue Perspektive dieser Studienrichtung begeisterte ihn. Er machte schnell Fortschritte, obwohl er anfangs miserable Noten erhielt. Doch nach zwei Semestern verbesserten sich sowohl seine Leistungen als auch seine Noten. Besonders faszinierten ihn die menschliche Nähe der Theorien und deren unmittelbares Erleben im Alltag. Schließlich schloss er das Studium sehr erfolgreich ab.
Heute ist er ein angesehener und erfolgreicher Schriftsteller, der mit seinen spannenden Büchern anderen, beinahe vergessenen, aus der heutigen Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen unterschiedlichen Alters hilft, trotz allen Schicksals ihre Potenziale zu erkennen und diese konsequent zu verwirklichen.